Geschichte der Maria-Magdalena-Kapelle

1240 Der Konstanzer Bischof Heinrich I. von Tanne (1233-1248) schenkt die Maria-Magdalena-Kapelle, die vermutlich in den Jahren zuvor erbaut wurde, dem Kloster Marchtal. Die Kapelle stand zu dieser Zeit mit ihren Grundmauern direkt am Rhein- und Bodenseeufer, am südlichen Brückenkopf der mittelalterlichen Konstanzer Rheinbrücke.

1300 Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1293-1306) erwirbt die Kapelle, zusammen mit einem inzwischen südlich daran erbauten Haus, vom Kloster Marchtal zurück, und gründet darin ein Spital für Arme.

1306 Beendigung der Bauarbeiten und Übergabe von Gebäude und Kapelle als Spital unter Aufsicht des Domkapitels. Die Maria-Magdalena-Kapelle diente fortan als Spitalkirche des "St.Konrad-Spitals".

1536 Als Folge der Reformation wird das Spital für 20 Jahre nach Meersburg verlegt, die Maria-Magdalena-Kapelle geschlossen.

1556 Nach zwischenzeitlicher Aufschüttung des Rhein- und Bodenseeufers wird unter Bischof Christoph Mezler (1548-1561) von größeren Umbauarbeiten am Spital berichtet. Das im Altarraum der Maria-Magdalena-Kapelle eingebaute Sakramentshäuschen zeigt die Jahreszahl 1556.

1609 Bischof Jakob Fugger (1604-1626) genehmigt die Verlegung des Spitals in die Katzgasse. Domprobst Markus Sittich von Hohenems (seit 1604), Neffe des früheren gleichnamigen Konstanzer Bischofs und später Erzbischof von Salzburg (1612-1619), baut das alte Spital zu einer Domprobstei um (aedificavit). Die Maria-Magdalena-Kapelle wird in diesen Um- und Neubau vollständig einbezogen.

1750 Umbau (restauravit) durch Bischof Franz Konrad Kardinal von Rodt (+1775) und Domprobst Johann Ferdinand Truchsess von Waldburg und Wolfegg (1750-1773).

1754 Der Konstanzer Maler Franz Ludwig Hermann schafft die Deckengemälde in der Maria-Magdalena-Kapelle.

1773 Weitere Ausschmückung (decoravit) der Kapelle durch den Domprobst und späteren Bischof Maximilian Christoph v.Rodt (+1800).

1799 Während der Franzosenkriegen gelangten mehrere russische Regimenter unter ihren Generälen Suworow, Korsakow und Titow nach Konstanz. Am 3.10. kam es in den umliegenden Gassen zu furchtbaren Straßenkämpfen zwischen Russen/Österreichern und Franzosen. Auf allen Straßen lagen Tote und Verwundete.

1806 Im Jahre der Säkularisation des Bistums Konstanz geht auch die Domprobstei in den Besitz des Großherzogtums Baden über. Sie wird in den kommenden Jahrzehnten Sitz verschiedener Behörden und Ämter.

1811 Ein Dachreiter hoch über der Kapelle mit einer kleinen Glocke wird abgerissen. Die Maria-Magdalena-Kapelle wird nun als Büro, Aktenlager und Abstellraum staatlicher Behörden genutzt, und gerät für viele Jahrzehnte in Vergessenheit.

1815 Kaiser Alexander von Rußland übernachtete in der Domprobstei am 10 Oktober. Er kam aus Paris und reiste über Konstanz und den Arlbergpaß nach Wien

1962 Beginn einer umfassenden Sanierung und Renovation der gesamten Liegenschaft unter denkmalpflegerischen Grundsätzen, die 1964 abgeschlossen wird. Bauherr und Eigentümer ist das Bundesland Baden-Württemberg.

1964 In der nun wiederhergestellten und renovierten Maria-Magdalena-Kapelle wird erstmals seit mehr als 150 Jahren wieder ein röm.-katholischer Gottesdienst gefeiert. Die Kapelle wird in den folgenden Jahren nur sporadisch zu Gottesdiensten genutzt.

1985 Der röm.-kath. Freiburger Metropolit, Erzbischof Oskar Saier, als bisheriger Nutzer, und das Land Baden-Württemberg als Eigner der Liegenschaft, überlassen die Maria-Magdalena-Kapelle der Gemeinde "Hl.Prokopius" zur liturgischen Benutzung für den orthodoxen Gottesdienst. Ab dem neuen orthodoxen Kirchenjahr werden hier nun regelmäßig die Göttliche Liturgie und die anderen Gottesdienste gefeiert.