Pilgerfahrt nach Berlin 2013

In diesem Jahr fiel der „Tag des Sieges“ (das Ende des Zweiten Weltkrieges) auf die Lichte Osterwoche. Aus diesem Anlass unternahm unsere Gemeinde eine Pilgerfahrt nach Berlin.

Am frühen Morgen des Festtages fuhren wir mit dem Bus in Konstanz los und erreichten am späten Nachmittag die Russische Kolonie in Potsdam. Verzierte Holzhäuser, viel Grün und insbesondere die schöne Russisch-Orthodoxe Kirche auf einem Hügel machten den Eindruck, als ob wir irgendwo in Russland angekommen wären. Der Diakon der Potsdamer Gemeinde, Daniel Koljada, machte für uns eine Führung und erzählte viel über die Entstehung der Kolonie, über das Gotteshaus und seine Ausschmückung.


Nach der Besichtigung fuhren wir weiter nach Berlin, und als unser Bus über die Stadtgrenze kam, hörten wir das in Russland sehr bekannte Lied „Dieser Tag des Sieges...mit den Tränen in den Augen“. Es war eine bewegende Stimmung und mancher hatten wirklich Tränen in den Augen.

Am nächsten Morgen haben wir alle in der Hauptkathedrale unserer Diözese gebetet. Am Freitag der Lichten Osterwoche feiert die Orthodoxe Kirche das Fest der Gottesmutterikone „Die Lebensquelle“ und so fand nach der Liturgie die Wasserweihe statt.

Nach dem Gottesdienst und dem Mittagessen war für uns eine ausführliche Stadtrundfahrt vorgesehen. Die erste Etappe war der Treptow Park und das Monument mit dem Befreiungssoldaten. Dieses allen Russen von der Schulbank her bekannte Denkmal eines russischen Soldaten mit dem Schwert, der ein errettetes deutsches Mädchen in den Armen trägt, hat auf alle einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Viele frische Blumen, die gestern gelegt worden waren, schmückten ihn. Dieses Denkmal gibt eine wahre Geschichte wieder, als ein russischer Soldat, gebürtig aus dem Dorf Wosnesenka (vom russischen „Wosnesenije“ = Himmelfahrt) im Kemerowo Gebiet in Sibirien, im April 1945 während der Schlacht um Berlin ein deutsches Mädchen errettet hatte. Und diese Geschichte offenbart die russische orthodoxe Seele – dem Bösen widerstehen, ohne sich zu rächen.


Am Samstag Morgen fuhr unsere Pilgergruppe aufs Land in das neu entstehende russisch-orthodoxe Kloster des Hl. Georgios. Und was für eine gnadenvolle Stimmung erwartete uns dort! Nach dem Moleben-Gesang in der Hauskirche der Heiligen Antoni und Feodosi aus dem Kiewer Höhlenkloster machten uns die Klosterbrüder eine Freude mit Ostergebäck und Tee im Garten. Beim brüderlichen Gespräch und fröhlichem Vogelgezwitscher mit der Aussicht auf einen schönen See verging schnell die Zeit. Vor unserer Abfahrt gingen wir noch einmal in die sich im Bau befindliche Hauptkirche, auf der in nächster Zeit die Kuppel errichtet wird (die bereits auf der Wiese stand, allerdings noch in Einzelteilen), und sangen dort den Ostergesang „Christ ist erstanden von den Toten, im Tode bezwang Er den Tod und hat allen in den Gräbern das Leben gebracht“.

Zurück in Berlin besuchten wir den Russischen Friedhof in Tegel, für den sogar die Erde aus Russland gebrachte worden war. Mitten auf dem Friedhof befindet sich eine sehr schöne Orthodoxe Kirche, die den Heiligen Konstantin und Helena geweiht ist.
Dieser Tag ging mit einem Festgottesdienst in der orthodoxen Auferstehungs-Kathedrale zu Ende. Unsere Sänger waren ziemlich beeindruckt von der exakten und trotzdem lockeren Gesangsart des dortigen Chors. Und am nächsten Tag – dem Sonntag der Antipas'cha – wurde das Patroziniumfest fortgesetzt mit der Göttlichen Liturgie, einer feierlichen Prozession und einem Festessen unter freiem Himmel bei schönem Wetter. Die farbige Vielfalt der Nationalgerichte auf den Tischen beeindruckte vor allem unsere Schweizer Freunde. Und so wurden von den russischen, ukrainischen, georgischen Gerichten viele Bilder gemacht.
Zwei Stunden später, im Bus auf dem Weg nach hause, schauten wir uns die Fotos der letzten Tage an und erinnerten uns mit viel Dankbarkeit an den warmen Empfang, der uns entgegengebracht worden war, an die vielen herzlichen Begegnungen und die segensreichen Gottesdienste.