Grosse Panichida 1999

Am Samstag, den 9.Oktober 1999, gedachte die Konstanzer orthodoxe Gemeinde Hl.Prokopius mit einer feierlichen Panichida der Opfer der großen Straßenschlacht vor 200 Jahren, vom 7.Oktober 1799.

In einer kurzen Begrüßung zu Beginn der Panichida betonte Igumen Kosma, daß hier keine Helden verehrt werden, sondern aller der Soldaten gedacht werde, die dem Ränkespiel der Mächte geopfert wurden.


Bild: (von rechts): Igumen Kosma, Altardiener Johann Nedelcu


Zur Andacht in der Maria-Magdalena-Kapelle und einem anschließenden Empfang in der gotischen Domschule im Kreuzgang des Konstanzer Münsters konnte Igumen Kosma zahlreiche Ehrengäste begrüßen:




den Oberbürgermeister der Stadt Konstanz, Dr. Horst Frank (nebenstehendes Bild ganz rechts); den Stadtammann der Schweizer Stadt Kreuzlingen, J. Bieri; Frau Tatiana Burowina, Konsulin der russ. Föderation aus München; den Kommandeur des 3. französischen Husarenregiments, Colonel Eric Dell`aria; den Kommandeur des deutschen Feldartilleriebataillons 295, Oberstleutnant Zorn, beide aus Immendingen; die Konstanzer Reservisten der Deutschen Bundeswehr mit Stabsfeldwebel d.R. Dieter Usadel; den Abt des Klosters Weingarten, Archimandrit Lukas (Dr. Weichenrieder OSB); Schwester Petra Näher OP, Nonne des der Konstanzer orthodoxen Kirche benachbarten Klosters und Rektorin der Mädchenschule der Dominikanerinnen; vom staatlichen Universitäts- und Hochbauamt Herr Dr. Bormann und Herr Stetter vom Notariat Konstanz, als weitere Vertreter der Behörden.



Zwei Trachtenträgerinnen der Trachtengruppe Alt-Konstanz bewirteten die Gäste mit Wein und Brezeln. Zum größten Bedauern aller Anwesenden hatte Erzbischof Feofan seine bereits lange zuvor angekündigte Teilnahme an dieser Feier kurzfristig abgesagt.



Bild: Igumen Kosma bei einer kurzen Gedenkansprache nach der Panichida


Was war 1799 geschehen?

An jenem Montag im Oktober des Jahres 1799 gelangten in den sogenannten "Franzosenkriegen" (2. Koalitionskrieg) mehrere russische militärische Einheiten (60000 Mann) unter ihren Generälen Suworow, Korsakow und Titow nach Konstanz.

Gegen 16 Uhr begann der Sturm der Franzosen (Generale Moreau, Gazan und Drouet) von Süden her gegen die Stadt. Sie drangen durch die zerschossenen Tore bis zum Obermarkt.

Für die bei Tägerwilen (Schweiz) bereitstehende russische und österreichische Reiterei kam dieser Angriff überraschend. Sie ritten nun ihrerseits eine Attacke und drangen ebenfalls in die Stadt ein. Vollends verwirrte sich nun die Lage, als von der Schweiz her die umgangene russische Infanterie,von Franzosen verfolgt, ebenfalls in die Stadt eindrang. Es gab nun keine Front mehr, überall bekämpften sich abgetrennte Truppenteile beider Seiten. Russen und Österreicher versuchten nun, sich über die Rheinbrücke in Sicherheit zu bringen. Viele hatten die rettende Brücke nicht mehr erreicht.

Ein Konstanzer Einwohner schrieb in seien Erinnerungen: "Ununterbrochen hörte man Schießen und Lärmen.(..)Das Schreien der Verwundeten, die lauten Kommandos, das Geklirr der Säbel und Bajonette machte einen solchen Lärm, daß man nicht wußte, wo man war."

Die heftigen Straßenkämpfe tobten bis um 4 Uhr am nächsten Morgen. Als der Morgen des 8. Oktober 1799 graute, lagen überall auf den Gassen die Toten und Verwundeten. Die meisten waren entkleidete und ausgeplünderte Russen.

Die Konstanzer sammelten die Gefallenen mit einem Wagen und begruben sie in einem Massengrab auf dem Schottenfriedhof bei der Stadt. Die Verwundeten, welche sich über die Rheinbrücke retten konnten, wurden in das Kloster der Benediktiner nach Weingarten, nördlich des Bodensees gebracht, wo sie von den Mönchen gesund gepflegt wurden. Nicht wenige jedoch starben. Sie wurden mit anderen Gefallenen ihrer Einheit auf dem noch erhaltenen russischen Soldatenfriedhof im "Russenwäldle" oberhalb des Klosters beerdigt.

Soweit die damaligen Ereignisse.